6. Wie
werden Hämorrhoiden behandelt?
Je nach Ausprägung und Schweregrad
wird das Hämorrhoidalleiden mit verschiedenen
Methoden behandelt.
Erst- und
zweitgradige Hämorrhoiden
Den größten
Teil der Hämorrhoidalerkrankung
bildet diese Gruppe, wobei jeder Arzt seine eigenen Erfahrungen mit den
einzelnen Methoden hat.
İnsbesondere bei erstgradigen Hämorrhoiden
werden zunächst Salben, Zäpfchen und Medikamente
verordnet.

Salbenapplikation
Ansonsten kommen meistens folgende Maßnahmen
zur Anwendung:
-
Sklerosierungsbehandlung:
Mit Hilfe eines
rohrförmigen Gerätes
(Anoskop) werden die vergrösserten Hämorrhoiden
dargestellt und je nach Technik und verwendetem Medikament in das Gefäßpolster
selbst oder an die anführende Arterie ein Lösungsmittel injiziert. Dadurch
entsteht ein Entzündungsprozess, wodurch das Polster schrumpft bezw. die
Blutzufuhr vermindert wird. Die Hämorrhoiden
verkleinern sich und die Symptome gehen zurück.

Vorteile:
Nachteile:
-
Nekrosengefahr bei falscher İnjektionstechnik mit entsprechenden Schmerzen
-
Rezidivquote
hoch (erneutes
Auftreten)
-
mehrfache Sitzungen erforderlich
-
Gummibandligatur:
Über die
vergrößerte
Hämorrhoide
wird mit Hilfe von speziellen İnstrumenten ein straffes Gummiband gelegt
und so das Gewebe abgeschnürt. Diese sogenannte Barronligatur sorgt für das
Absterben des überflüssigen Gewebes, welches dann vom Körper abgestoßen
wird. Die Hämorrhoide
wird verkleinert und es kommt zum schnellen Rückgang der Symptome.

Vorteile:
-
schmerzlose Durchführung
-
rascher Wirkungseintritt
-
kostengünstig
Nachteile:
-
Blutungen und zeitweise auftretende Schmerzen
-
manchmal unangenehme Gewebeabstossung
-
Rezidivrate nicht niedrig
-
oft mehrfache Sitzungen
-
İnfrarotkoagulation:
Mit Hilfe eines
İnfrarotgerätes
werden am Ursprung der Hämorrhoide
mehrere Lichtpunkte gesetzt, die das Gewebe
durch Erhitzung verschorfen.
Dadurch bildet sich die Vergrößerung zurück und es kommt zur
Beschwerdeverbesserung.
Vorteile:
-
schmerzlose Technik
-
rascher Wirkungseintritt
Nachteile:
-
Nekrosenbildungen
-
Rezidivquote hoch

- HAL
(Hämorrhoidal
Arterien Ligatur): Diese relativ neue Methode wurde
durch den japanischen Arzt Dr. Morinaga initiiert und findet immer mehr
Verbreitung, teilweise auch bei drittgradigen Hämorrhoiden.
Mit Hilfe eines röhrenförmigen Proktoskops, an dessen Spitze sich ein
Ultraschallsensor befindet, wird die versorgende Arterie der Hämorrhoide
aufgesucht und mit einer Naht unterbunden. Durch die gedrosselte
Blutversorgung hören bestehende Blutungen rasch auf und das hämorrhoidale
Gefäßpolster
schrumpft und verkleinert sich innerhalb von 6 Wochen.

Vorteile:
Nachteile:
-
korrekte technische Durchführung nicht einfach
-
manchmal Anästhesie oder Sedierung erforderlich
-
teilweise geringe Blutungen und Druckgefühl
Drittgradige Hämorrhoiden
Neben der wenig
eingreifenden HAL – Technik werden insbesondere bei fortgeschrittenem
Krankheitsverlauf operative Methoden bevorzugt. Dabei gibt es offene und
mittlerweile auch geschlossene Operationsverfahren.
- offene
Operationen: Durch Umschneidung und Präparation
des Hämorrhoidalgewebes werden die Knoten
weggeschnitten, wobei offene Wunden überbleiben. Es
gibt verschiedene Techniken, die je nach dem erstdurchführenden Arzt benannt
sind.

Hämorrhoidektomie
nach Milligan-Morgan: Diese auch Dreizipfelmethode genannte,
relativ einfache Technik wurde schon in den dreißiger
Jahren eingeführt und ist weltweit immer noch das verbreitetste und am häufigsten
angewendete Verfahren. Die einzelnen Knoten werden komplett weggeschnitten
und die zuführenden Arterien verschlossen. Es bleiben offene Wunden zurück,
die innerhalb von einigen Wochen von selbst verheilen.
Hämorrhoidektomie
nach Ferguson: Ähnlich wie bei der Milligan –
Morgan Methode wird der Knoten umschnitten, aber anschließend
die Afterhaut wieder zusammengenäht, so dass die
Wunden verkleinert werden.
Hämorrhoidektomie
nach Parks: Bei der nach dem renommierten Londoner Chirurgen Dr.
Parks benannten Technik wird das hämorrhoidale Gefäßpolster
unter Erhaltung der Afterhaut wegpräpariert. Diese
technisch anspruchsvolle Methode erfordert spezielle
Erfahrungen des Operateurs.
İn der Regel
werden die offenen Operationen unter stationaeren Bedingungen durchgeführt
und bedürfen mehrtägiger Aufenthalte. Allen offenen
Verfahren ist gemeinsam, dass die hochempfindliche Afterhaut, das Anoderm,
verletzt wird. Dadurch kommt es nach der Operation zu mehr oder weniger
ausgeprägten Schmerzen, die entsprechende
Schmerzmittel erfordern. Desweiteren können Blutungen sowie bei zu
ausgedehnter Präparation Afterengen auftreten. Auch
die Gefahr der Schließmuskelverletzung mit
nachfolgender İnkontinenz, also ungewolltem Wind- und Stuhlabgang ist
gegeben.
- geschlossene
Operationen: Alternativ zu den
offenen Operationsverfahren wird seit einigen Jahren die von dem
italienischen Arzt Dr. Longo entwickelte Stapler Hämorrhoidektomie
durchgeführt. Dabei wird ein spezielles Klammernahtgerät
eingeführt und eine kreisförmige Manschette im Enddarm gleichzeitig
ausgeschnitten und verschlossen, d.h. die Darmschleimhaut gerafft. Dadurch
werden die vergrößerten Hämorrhoiden
an ihren ursprünglichen Platz zurückgehoben und schrumpfen mit der Zeit, da
ja infolge der kreisrunden Ausschneidung die zuführenden Arterien mit
durchtrennt werden. Die eigentliche Operation findet also im unempfindlichen
Mastdarm ohne Verletzung der Afterhaut statt.
Diese Technik
gehört zu den minimal invasieven, also wenig eingreifenden Verfahren, hat
aber auch wie jede Methode Vor- und Nachteile, wobei letztere nicht
unerheblich sind.

Vorteile:
Nachteile:
-
häufig Blutungen aus der Manschette
-
Mastdarmenge mit vermehrtem Stuhldrang
-
nur
bei drittgradigen, noch verschieblichen Hämorrhoiden
möglich
-
kostenintensiv
Viertgradige Hämorrhoiden
In diesem
Endstadium liegen die Hämorrhoidalknoten ständig
draußen und können nicht mehr zurückgeschoben
werden. Sie sind also fixiert, d.h. die geschlossene Stapler Methode ist
hier technisch nicht möglich, so dass bisher nur offene Verfahren zur
Anwendung kamen. Neben den oben beschriebenen offenen Verfahren, wird bei
diesem Grad besonders die Hämorrhoidektomie nach
Fansler–Arnold favorisiert. Dies ist eine sehr ausgedehnte und
anspruchsvolle Technik, die besondere Erfahrungen des Operateurs erfordert.
Die Knoten werden nach Einschnitt der Afterhaut unterhalb der Haut abpräpariert
und hiernach die Analhaut in plastischer Technik vernaeht. Durch diese
Analplastik können neben der Knotenabtragung die anatomischen Verhältnisse
wiederhergestellt werden. Aber auch für diese Technik gelten die für die
offenen Eingriffe typischen Beschwerden und
Komplikationen.
Enddarmleiden - immer noch ein Thema mit Tabu
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