15.  STEİSSBEİNFİSTEL

 

Definition

Die Steissbeinfistel oder Pilonidalsinus ( Pilus=Haar; Nidus=Nest) ist ein rohrförmiger Kanal, der sich meist am Beginn der Gesäßfurche mittig befindet und in die Tiefe bis zum Steissbein vordringt. In dieser Fistel befinden sich oft ein oder mehrere Haare. Die Fistel kann symptomlos sein, eine chronische Entzündung aufweisen oder sich akut entzünden und vereitern. Es können aussen nur eine oder auch mehrere Fistelöffnungen gesehen werden, wobei einer oder mehrere Fistelgänge vorhanden sein können.

Ursachen

Obwohl die genaue Ursache  bis heute noch nicht eindeutig geklärt ist, so geht man von einer erworbenen Erkrankung aus. Es gab zwar auch Theorien, die eine schon von Geburt an vorhandene Zyste dafür verantwortlich machen, aber diese wurden zunehmend verlassen.

Als entstehenden Mechanismus nimmt man an, dass Reibebewegungen der Gesäßhälften abgebrochene Haare mit der Spitze voran in die Haut hineindrücken. Die Hornschuppen der Haare fungieren als Widerhaken, wodurch das Haar immer tiefer vordringt. Dort wirkt es wie ein Fremdkörper, wobei der Körper es zu umbauen beginnt und ein sogenanntes Granulom bildet. Dieses kann nicht mehr von selbst heilen (asymptomatische Form), aber sich entzünden (akute oder chronische Form).

Starke Behaarung, Übergewicht, übermäßige Schweißbildung, vorwiegend sitzende Tätigkeit und mangelnde Hygiene sind begünstigende Faktoren.

Erscheinung

In der asymptomatischen Form bestehen keine Beschwerden, aussen finden sich lediglich eine oder mehrere reizlose Öffnungen, die oft zufällig entdeckt werden. Bei der akuten Entzündung ensteht eine Schwellung mit Rötung und heftigen Schmerzen, wobei sich Eiter bildet. Im chronischen Zustand zeigen sich Sekretabsonderungen, die eitrig oder wässrig sein können, aber nur wenig Schmerzen verursachen. Wird dieser Sekretfluss verhindert, kommt es wiederum zur akuten Entzündung mit Eiterbildung.

Bei sehr langen chronischen Verläufen sind in 0,1 % der Fälle bösartige Entartungen gesehen worden.

     

Behandlung

Es gibt zwar nichtoperative Behandlungen der Steissbeinfistel mit Phenol- oder Silbernitratlösungen, aber diese zeigen unbefriedigende Ergebnisse und haben eine hohe Toxizität.

Die Behandlung erfolgt daher mit Hilfe eines operativen Eingriffs, wobei es verschiedene Techniken gibt. Dabei kann eine offene Wundbehandlung oder aber auch eine sofortige Vernähung oder plastische Deckung der Wunde erfolgen.

Bei der akuten Form mit Abszessbildung muss dieser zunächst entlastet und oft in einer zweiten Operation die Fistel entfernt werden.

Entscheidend für die Operation ist, dass sämtliche Fistelgänge entfernt werden.

In der Proktoklinik wird ein neues, schmerzarmes Verfahren durchgeführt: die minimal invasive Fistulektomie mit Laserobliteration.

Dieses ist insbesondere für ein oder zwei Fistelgänge geeignet. Unter örtlicher Betäubung wird mit einer speziellen Kopffräse der Fistelgang von innen entfernt und mit Hilfe des ELVeS Lasergerätes verkleinert. Der Körper baut die Fistel dann zu Narbengewebe um, so dass nach einigen Wochen die Wunde vollständig geschlossen ist. Ausser den üblichen Wundkontrollen findet keine besondere Nachbehandlung statt.

Bei verzweigten Fistelgängen oder akuten Entzündungen wird die Operation mit  anschliessender offener Wundbehandlung durchgeführt.

 

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